Der Weltmeister-Trainer aus Freiburg. Weltmeister-Karrieren beginnen nicht in Freiburg? Aber sicher doch! Joachim ,,Jogi“ Löw ist bis heute der am meisten eingeblendete Tribünengast in Freiburg. Als Spieler hat sich der Stürmer aus Schönau im Schwarzwald in zwei Karriereabschnitten um den SC Freiburg verdient gemacht und ist heute einer der Ehrenspielführer des Vereins. Löw erzielt 63 Tore in 181 Zweitliga-Spielen für den Sport-Club, die meisten des Klubs im Unterhaus. 1983/84 gelingen ihm 17 Saisontore in 31 Spielen. Das ist Löws beste Saison als Spieler, die Bundesliga wird auf ihn aufmerksam, aber ein Schienbeinbruch in Diensten des VfB Stuttgart verhindert eine große Karriere. Als Trainer hat er mehr Glück und gibt mit dem ,,magischen Dreieck“ beim VfB Stuttgart 1996/97 ein sensationelles Bundesliga-Debüt. Er holt mit den Schwaben im gleichen Jahr den DFB-Pokal. Nach wechselhaften Stationen als Coach in der Schweiz, Österreich und der Türkei sowie beim Karlsruher SC bringt Bundestrainer Jürgen Klinsmann Löw 2004 als Co-Trainer mit zur deutschen Nationalmannschaft, nachdem dieser bei Austria Wien entlassen worden ist. Der Rest ist bekannt: WM-Dritter 2006 im eigenen Land, Vize-Europameister 2008 in Wien, WM-Dritter 2010 in Südafrika und Weltmeister 2014 in Brasilien. Dazu Welttrainer des Jahres 2014. Weltkarrieren können auch an der Dreisam beginnen. Er bringt den Freiburg-Kult auf eine neue Kultstufe. Winter 2011/12. Der SC Freiburg am Boden. Erstmals in der Bundesliga-Geschichte des Vereins wird mit Marcus Sorg ein Trainer entlassen.
Seine Bilanz ist mit 13 Punkten aus 17 Spielen miserabel. Freiburg droht als Tabellenletzter mit bereits fünf Zählern Rückstand auf den 15. Rang der Abstieg. Der SC reagiert und holt mit dem bisherigen Jugendtrainer Christian Streich, der mit dem Fahrrad zum Training kommt, genau den richtigen Mann. ,,Er hat etwas von Heidegger“, vergleicht der Kabarettist Matthias Deutschmann den neuen SC-Coach mit dem berühmten Freiburger Philosophen Martin Heidegger (1889 – 1976 / ,,Sein und Zeit“). Manchmal verschroben, manchmal geistreich, fast immer pointiert, werden Streichs Auftritte bei den Pressekonferenzen zum Klick-Hit. Die Badische Zeitung widmet dem damals 46-Jährigen vom Start weg eine eigene Video-Rubrik (,,Streich der Woche“). Und Streich haut einen Kult-Spruch nach dem anderen raus: ,,Niederlagen helfen nicht, nein“ oder ,,Ich soll eine Kampfansage an Bayern München machen? Na gut. Passt auf, wenn wir kommen, da brennt der Baum! Zieht Euch warm an! “. Der schrullig-liebenswerte Coach führt den SC Freiburg aus dem Tabellenkeller und mit 27 Punkten in der Rückrunde auf Platz zwölf. ,,Manchmal ist es zu viel“, beschreibt Streich im Sommer 2012 in einem Kicker-Spezial den Hype um seine Person, ,,man droht, zu einem Produkt zu werden. “ Diese Gefahr besteht nicht. Ein Jahr später führt Streich den Sport-Club auf Rang fünf in die Europa League. Nun kennt man das Gesicht des SC Freiburg nicht nur im Badener Land.