OMG — Oh My God
Misstöne in der Bundesliga-Idylle…Bei aller mystischen, malerischen Gestaltung des Gesamtkunstwerks SC Freiburg kommt der Klub nicht umhin, die berühmt-berüchtigten „Mechanismen des Geschäfts“ anzuerkennen.Ob er will oder nicht, aber: Wer verliert schon gern die Unschuld? Wenn wir schon bei den Breisgau-Philosophen sind: Für einen legendären Freiburger Spieler gilt die Weisheit „Wenn man nur weit genug reist, trifft man irgendwann sich selbst“…
Verträgt Freiburg keine Stars?Im vierten Jahr in der Bundesliga ist 1996/97 beim SC Freiburg nichts mehr so wie es mal war. Mit den beiden Ex-Münchnern Dieter Frey und Michael Sternkopf, dem früheren, von Manchester City geholten, Gladbacher Nationalspieler Michael Frontzeck und Stephan Marasek von Rapid Wien hat man erstmals „richtige“ Stars geholt. Das geht schief. „Finke hatte Pech mit seinen Neuzugängen“, bilanziert der Kicker nach Saisonende in „Finale“, „zudem schaffte er es nicht, das Potenzial aller Spieler zu bündeln. Statt wie früher die Mannschaft als höchsten Wert darzustellen, bekamen einige Spieler Sonderrechte. Diese wollten dann andere auch und so kam es zum Bruch der Philosophie.“ Dass die Bundesliga-Kuckucksuhren in Freiburg nicht anders gehen als anderswo, zeigt sich erstmals im Herbst 1996. Nach schwachem Saisonstart und nur einem Sieg aus sechs Spielen machen die Finke-Gegner mobil. Nach einem weiteren verlorenen Heimspiel muss Volker Finke unter Polizeischutz und in einem schweren Mercedes aus dem Stadion gebracht werden. Draußen fliegen die Bierbecher und die Feuerzeuge, es gibt hässliche Jagdszenen – Freiburg goes wild!
Das irrste Gerücht:Streich als Bayern-Trainer. März 2018. Ganz Deutschland sucht den neuen Bayern-Trainer. Der amtierende Coach „Don“ Jupp Heynckes will nicht mehr. Thomas Tuchel will auch nicht. Hoffenheims Julian Nagelsmann will schon gar nicht. Niko Kovac von Eintracht Frankfurt will „Stand jetzt“ noch nicht. Das heißt aber nicht, dass er gar nicht will. Oder doch? In diesen turbulenten Tagen macht plötzlich ein irres Gerücht die Runde: Christian Streich vom SC Freiburg als Bayern-Trainer! Dass die Ausflüge ins Münchner Olympiastadion zu den Heimspielen des FC Bayern für den Badener Highlights seiner Jugendzeit sind, gibt er vor jedem Spiel gegen den Rekordmeister zum Besten. Ist ja auch okay, wer erinnert sich nicht daran? Die Gerüchte, wonach er Bayern-Coach werden könnte (wenn er will…), beantwortet der Streich auf seine Weise: „Es isch ja so, dass jede Woche ein anderer als Trainer in München gehandelt wird. Zuerschd war’s der Thomas Tuchels (!), dann der Julian Nagelsmann, dann der Niko Kovac, I wär fast beleidigt gewesen, wenn bei den vielen Namen ich nicht irgendwann auch aufgetaucht wäre. Aber: Da sind genug Leute, die dort Trainer werden können. Ich bin in Freiburg Trainer, fertig.“
Das neue Stadion:Ab der Saison 2020/21 wollen die Breisgauer ihre Spiele im neuen Stadion im Wolfswinkel im Westen von Freiburg austragen. Eigentlich. Denn Stand Dezember 2019 ist nichts klar. Aus den Stadionplänen ist eine Behörden-Posse geworden, die man eigentlich eher in Berlin verorten würde als in Baden (Motto: Sie verlassen den funktionierenden Teil der Republik). Zwar bekommt der SC Freiburg nach jahrelangem Kampf im Jahr 2018 die Baugenehmigung des Regierungspräsidiums der Stadt. Doch die Freude währt nur kurz. Mehrere Anwohner legen wegen des möglichen Lärms eine Klage im Eilverfahren ein, die das Bauvorhaben stoppen soll. Das Verwaltungsgericht Freiburg lehnt dieses ab, der Verwaltungsgerichtshof (VGH) gibt den Beschwerden aber teilweise statt. Und jetzt wird es „Berlin-Style“: Der VGH fasst im Oktober 2019 einen nicht anfechtbaren Beschluss, nach dem aus Lärmschutzgründen keine Spiele an Abenden sowie an Sonntagen zwischen 13 Uhr und 15 Uhr stattfinden dürfen. Das bedeutet, dass der SCF für diese Spielansetzungen wieder ins Schwarzwald-Stadion ziehen müsste. Autsch, doch mittlerweile ist klar. Das Verwaltungsgericht hat eine falsche, weil veraltete Verordnung angewendet. Die Folge: Der Fall geht in die nächste Runde. Regierungspräsidium und Stadiongesellschaft gehen mit einer Anhörungsrüge gegen das Urteil vor. Oh My God!
