Kapitel 05

Schlüsselfiguren

Diese Typen prägen den Verein
3 Min. LesezeitAktualisiert: März 2026
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Volker Finke: Er erfindet den SC Freiburg moderner Prägung. Wer weiß, wie die Geschichte des SC ohne das Trainer-Engagement von Volker Finke verlaufen wäre? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anders als ohne den Fußball-Querdenker aus Nienburg an der Weser, den es 1991 nach Unstimmigkeiten mit dem Präsidium des TSV Havelse und Ablehnung durch Hannover 96 als Coach in den Süden verschlägt. Dort baut Finke sein Lebenswerk. Mit Akribie, ganz viel Menschenkenntnis und dem untrüglichen Gespür für Talente bringt Finke, der mit seinem Assistenten Achim Sarstedt im Schwarzwaldstadion sogar einen eigenen Strandkorb hat, den Sport-Club 1993 in die Bundesliga. Die Krönung: 1995 führt er seine Truppe auf Rang drei in der Bundesliga und damit nach Europa. Auch 2001 gelingt der Sprung in den UEFA-Pokal. Er bleibt 16 Jahre im Amt, das ist Rekord im deutschen Profifußball und leitet 564 Punktspiele. Als Verbandscoach betreut der mehrsprachige Ex-Lehrer bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien die „unbezähmbaren Löwen“ aus Kamerun.

Achim Stocker (1935 – 2009): Der Präsident schaut Videotext. Kein anderer Präsident hat das Amt in Freiburg so geprägt wie Achim Stocker. Ein Beamter, ein Regierungsdirektor bei der Oberfinanzdirektion in Freiburg mit einer riesigen Begeisterung für den Fußball, der den Vorstandsposten 1972 übernimmt und angesichts von finanziellen Turbulenzen einmal sogar mit einer Hypothek auf sein eigenes Haus bürgt. Der Zahlenmensch Stocker und der „linke“ Fußballlehrer Volker Finke, das ist ab 1991 über eineinhalb Jahrzehnte ein Erfolgsgespann in Fußball-Deutschland. Finke hilft auf der Geschäftsstelle mit aus, Stocker darf sonntags bei der Video-Analyse dabei sein. Der rührige Achim Stocker führt den SC Freiburg 1978 in die 2. Bundesliga, dann - mit Finke als Coach - 1993 in die Bundesliga und zwei Jahre später in den UEFA-Pokal. Für den herzkranken Präsidenten ist der Besuch im Dreisam- später Schwarzwaldstadion mit den Jahren jedoch zu anstrengend. Stocker bleibt zu Hause und verfolgt den Spielverlauf im Videotext, der nur Tore anzeigt. Der Präsident und „Macher“ des SC Freiburg verstirbt am 1. November 2009 – an einem Bundesliga-Samstag.

Joachim Löw: Der Weltmeister-Trainer aus Freiburg. Weltmeister-Karrieren beginnen nicht in Freiburg? Aber sicher doch! Joachim „Jogi“ Löw ist bis heute der am meisten eingeblendete Tribünengast in Freiburg. Als Spieler hat sich der Stürmer aus Schönau im Schwarzwald in zwei Karriereabschnitten um den SC Freiburg verdient gemacht und ist heute einer der Ehrenspielführer des Vereins. Löw erzielt 63 Tore in 181 Zweitliga-Spielen für den Sport-Club, die meisten des Klubs im Unterhaus. 1983/84 gelingen ihm 17 Saisontore in 31 Spielen. Das ist Löws beste Saison als Spieler, die Bundesliga wird auf ihn aufmerksam, aber ein Schienbeinbruch in Diensten des VfB Stuttgart verhindert eine große Karriere. Als Trainer hat er mehr Glück und gibt mit dem „magischen Dreieck“ beim VfB Stuttgart 1996/97 ein sensationelles Bundesliga-Debüt. Er holt mit den Schwaben im gleichen Jahr den DFB-Pokal. Nach wechselhaften Stationen als Coach in der Schweiz, Österreich und der Türkei sowie beim Karlsruher SC bringt Bundestrainer Jürgen Klinsmann Löw 2004 als Co-Trainer mit zur deutschen Nationalmannschaft, nachdem dieser bei Austria Wien entlassen worden ist. Der Rest ist bekannt: WM-Dritter 2006 im eigenen Land, Vize-Europameister 2008 in Wien, WM-Dritter 2010 in Südafrika und Weltmeister 2014 in Brasilien. Dazu Welttrainer des Jahres 2014. Weltkarrieren können auch an der Dreisam beginnen.

Jogi Löw 80er-Jahre Frisur SC Freiburg Bank 1980
Jogi Löw – mit modischer 80-er Jahre Frisur am 31.05.1980 auf der Bank des SC Freiburg. Foto: Imago Images/Pressefoto Baumann

Christian Streich: Er bringt den Freiburg-Kult auf eine neue Kultstufe. Winter 2011/12. Der SC Freiburg am Boden. Erstmals in der Bundesliga-Geschichte des Vereins wird mit Marcus Sorg ein Trainer entlassen. Seine Bilanz ist mit 13 Punkten aus 17 Spielen miserabel. Freiburg droht als Tabellenletzter mit bereits fünf Zählern Rückstand auf den 15. Rang der Abstieg. Der SC reagiert und holt mit dem bisherigen Jugendtrainer Christian Streich, der mit dem Fahrrad zum Training kommt, genau den richtigen Mann. „Er hat etwas von Heidegger“, vergleicht der Kabarettist Matthias Deutschmann den neuen SC-Coach mit dem berühmten Freiburger Philosophen Martin Heidegger (1889 – 1976 / „Sein und Zeit“). Manchmal verschroben, manchmal geistreich, fast immer pointiert, werden Streichs Auftritte bei den Pressekonferenzen zum Klick-Hit. Die Badische Zeitung widmet dem damals 46-Jährigen vom Start weg eine eigene Video-Rubrik („Streich der Woche“). Und Streich haut einen Kult-Spruch nach dem anderen raus: „Niederlagen helfen nicht, nein“ oder „Ich soll eine Kampfansage an Bayern München machen? Na gut. Passt auf, wenn wir kommen, da brennt der Baum! Zieht Euch warm an! Am besten drei Lederhosen drüberziehen!“. Der schrullig-liebenswerte Coach führt den SC Freiburg aus dem Tabellenkeller und mit 27 Punkten in der Rückrunde auf Platz zwölf. „Manchmal ist es zu viel“, beschreibt Streich im Sommer 2012 in einem Kicker-Spezial den Hype um seine Person, „man droht, zu einem Produkt zu werden. Es besteht die Gefahr, dass die Leute in einem Jahr sagen: Ich kann den Streich nicht mehr sehen.“ Diese Gefahr besteht nicht. Ein Jahr später führt Streich den Sport-Club auf Rang fünf in die Europa League. Nun kennt man das Gesicht des SC Freiburg nicht nur im Badener Land.

Jens Todt: Freiburgs erster Nationalspieler. Der stille Defensiv-Allrounder kommt 1991 mit seinem damaligen Coach Volker Finke vom niedersächsischen Zweitliga-Absteiger TSV Havelse nach Freiburg. Am 12. Oktober 1994, auf dem Höhepunkt der Freiburger Euphorie in der erfolgreichen Saison 1994/95, beruft Bundestrainer Berti Vogts ihn gegen Ungarn zum ersten Mal in die deutsche Nationalmannschaft. Todt wird damit zum ersten deutschen Nationalspieler in der Geschichte des SC Freiburg, kommt auf drei Einsätze und sorgt für eine Rarität in der DFB-Historie. Angesichts zahlreicher Sperren und Verletzungen nominiert ihn Vogts bei der EURO 1996 in England nach, Jens Todt darf sich somit ohne Einsatz Europameister nennen.

Christian Streich – sein Abschied 2024 nach 29 Jahren beim SC Freiburg (davon 12 als Cheftrainer) war einer der emotionalsten Momente der Bundesliga-Geschichte. Die Tränen im Stadion, die stehenden Ovationen, die Würdigung durch die gesamte Liga – Streich war mehr als ein Trainer, er war das Gewissen des deutschen Fußballs. Seine legendären Pressekonferenzen, in denen er über Politik, Gesellschaft und das Leben philosophierte, machten ihn zur einzigartigsten Figur der Liga.

Julian Schuster, sein Nachfolger, war selbst jahrelang Freiburger Spieler und steht für Kontinuität – die Streich-DNA soll weiterleben.

Alle Kapitel: 01. Prolog 02. Good to Know 03. Für die Hater 04. Für die Lover 05. Schlüsselfiguren 06. Personae Non Gratae 07. Tragisch 08. OMG — Oh My God 09. Fun Facts 10. Special Moments 11. Weise Worte 12. Steckbrief [Annex]
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