Good to Know
„Studenten-Truppe“, „Breisgau-Brasilianer“, „Finkes bunte Vögel“ – das sind nur einige bekannte Spitznamen des SC Freiburg aus der Ägide von Trainer Volker Finke. Die Breisgauer, bei denen u. a. Uwe Spies und Andreas Zeyer an der Universität eingeschrieben sind, werden schon vor dem Anpfiff ihres allerersten Bundesliga-Spiels am 7. August 1993 beim FC Bayern München (1:3) als „der etwas andere Verein“ wahrgenommen. Auch das Publikum in der Universitätsstadt im äußersten Südwesten Deutschlands ist anders als in den „etablierten“ Standorten. Es sind Studenten, Grüne, Intellektuelle, Winzer, Arbeiter und – auch das ist Anfang der 1990-er Jahre noch neu – viele Frauen, die zu den Spielen im idyllisch gelegenen Schwarzwaldstadion direkt an der Dreisam pilgern. Das „schöne Spiel“ ist ihnen mitunter wichtiger als drei Punkte. Die Verbissenheit, die in anderen Stadien zu spüren ist, gibt es hier nicht ganz so ausgeprägt. „In Freiburg“, sagt der 1991 von Berlin in seine Heimat zurückgekehrte Kabarettist Matthias Deutschmann 2014 in einer Dokumentation des SWR, „ist Fußball keine Ersatzreligion wie auf Schalke, sondern allenfalls eine Weltanschauung zum Wochenende, wir haben nicht diese Härten, wie sie in Berlin, in Gelsenkirchen oder in Dortmund auftreten.“ Ein anderer, ein „linker Fußball“ also für die Bundesliga? Innovativ spielen die „Breisgau-Brasilianer“ in jedem Fall. Mit ihrem unter Trainer Volker Finke gepflegten Kurzpass-Spiel sind sie ihrer Zeit voraus. „Wir waren die ersten, die das so in Deutschland praktiziert haben“, räumt Volker Finke Jahre später ein, „und ich erinnere mich an ein Interview eines Spielers von Bayern München, der nach dem Spiel gegen uns sagte: Ich hatte immer das Gefühl, als hätten die einen Mann mehr auf dem Feld.“ Dass die Spieler mit dem Fahrrad zum Training kommen oder dass man, statt zu fliegen, mit dem ICE zu Auswärtsspielen fährt, kommt bei den Medien, den Intellektuellen und dem „linken Spektrum“ gut an.
Was wenige wissen: Selbst der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass (2015 verstorben) sitzt zuweilen im Schwarzwaldstadion auf der Tribüne. Und auch Walter Jens, der legendäre Rhetorik-Professor (1923 – 2013) ist ein Fan des Vereins. „Freiburg“, so sinniert er, „ist die einzige Mannschaft für mich, die Witz und Esprit hat und nicht über den dumpfen Ernst muskelbepackter Kicker verfügt.“ Der Pfälzer Fußball-Autor Günter Rohrbacher-List dazu zu Ligalive.net: „Von außen gesehen ist aus meiner Sicht der SC Freiburg sehr viel mehr Kultklub als beispielsweise Mainz 05. Das liegt auch an den Freiburger Verhältnissen, wo jahrzehntelang der FFC (Freiburger FC) die erste Geige spielte.“
Kaum bekannt ist: Fast wäre der SC Freiburg niemals in die Bundesliga aufgestiegen. Warum? Weil es ihn um ein Haar nicht mehr gegeben hätte. Zwischen 1978 und 1982 verfügt die Universitätsstadt Freiburg über einen echten Luxus: zwei Klubs in der 2. Bundesliga. Nur: Keiner merkt es so richtig. Es sind der Neuling SC Freiburg und der etablierte Freiburger FC, Deutscher Meister von 1907, die die Zuschauer aber nicht locken können. „Zwei Zweitligisten sind für die Stadt einer zu viel“, meint SWR-Kommentator Hans-Reinhard Scheu. Der FFC steckt nach dem plötzlichen Tod von Mäzen Rolf Jankovsky in finanziellen Schwierigkeiten. Die Lizenz für die 2. Liga erhält man 1980/81 nur noch unter strengen Auflagen. In dieser Phase entsteht der Gedanke, den Standort Freiburg durch die Fusion beider Klubs zu stärken. Doch Fusion? Nein Danke. Das lehnt SC-Boss Achim Stocker trotz einiger hartnäckiger Verhandlungen mit der FFC-Gegenseite ab. „Sein“ Sport-Club müsste beinahe die komplette Identität aufgeben, sogar die Namensrechte dem Stadtrivalen überlassen. Daraus wird nichts. Schon 1982 muss der Freiburger FC im Gegensatz zum SC aus der 2. Liga absteigen. Nach langem Auf und Ab landet der Verein 2009 in der siebtklassigen Landesliga Südbaden, Staffel II. Im Januar 2001 erwirbt der SC das Stadion des FFC, das Möslestadion, um dort die Freiburger Fußballschule zur Nachwuchsförderung einzurichten.
Keine Legende, sondern schlicht wahr aber ziemlich unbekannt ist: Der ehemalige Präsident des SC Freiburg und 13. DFB-Präsident Fritz Keller hat eine besondere Beziehung zu Fritz Walter. Dem Richtigen, nicht dem Ex-VfB Stürmer. Fritz Keller, Winzer aus dem Badischen, ist auf besondere Weise mit dem deutschen Fußballidol Fritz Walter (1920 – 2002) verbunden. Er ist das Patenkind des „alten Fritz“, der zusammen mit anderen Helden von Bern gern im damals von Kellers Vater betriebenem Restaurant, dem „Schwarzer Adler“ in Oberbergen am Kaiserstuhl, einkehrt. Die Krönung von Kellers Funktionärs-Laufbahn: Im September 2019 wird er Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.
Das Europa-Park Stadion, 2021 eröffnet, ist das nachhaltigste Stadion der Bundesliga. Eine Solaranlage auf dem Dach, begrünte Fassaden und ein Energiekonzept, das den CO2-Fußabdruck minimiert. Mit 34.700 Plätzen bietet es deutlich mehr Kapazität als das alte Dreisamstadion und ist ein Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen im Profifußball.
