Prolog
Was diese Seite ist — und warum
„AKTE SCF" richtet sich an Lover und Hater des Sport-Club. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.
Der Bettelkönig von Südbaden, die Willis und die Kulttrainer. Volker Finke machte aus dem Zweitligisten einen Bundesliga-Dauergast. Christian Streich wurde zur Kultfigur des deutschen Fußballs. Und der SC Freiburg beweist seit Jahrzehnten, dass man auch mit einem der kleinsten Budgets der Liga oben mitspielen kann — mit Ausbildung, Identität und einem Stadion, das endlich zu den Ambitionen passt.
Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte SCF ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.
Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.
Akte SCF ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.
Steckbrief
Daten, Fakten und Ereignisse
Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse
Der Sport-Club Freiburg e. V. (kurz: SC Freiburg, Sport-Club oder SCF) ist ein Fußballverein aus Freiburg im Breisgau. Er wird am 30. Mai 1904 gegründet und spielt seit der Saison 2016/17 wieder in der Fußball-Bundesliga.
In der ewigen Bundesliga-Tabelle belegt der Verein den 22. Platz (Stand: Dezember 2019). Das Wappen des Sport-Club enthält auf der linken Seite einen Greifenkopf und auf der rechten Hälfte das Kürzel SCF. Im Juli 2019 zählt der Verein ca. 20.000 Mitglieder und ist damit der größte Verein in Baden.
Der SC Freiburg geht in seiner heutigen Form aus Fusionen hervor. Die ältesten Vorgängervereine des SC sind der im März 1904 gegründete Freiburger FV 04 sowie der zwei Monate jüngere FC Schwalbe Freiburg. Am 3. März 1912 fusionieren der mittlerweile zu SV 04 umbenannte FV 04 und der erst zu FC Mars, dann zu FC Union umbenannte FC Schwalbe erstmals zum SC Freiburg. Am 13. Dezember 1919 schließt sich der Verein der Freiburger Turnerschaft von 1844 (früher: Freiburger TV 1844) an. Im Zuge des Streits zwischen Turn- und Sportverbänden treten die Fußballer 1924 wieder aus, um erneut den SC Freiburg zu bilden. In der reichsweiten Neuordnung des organisierten Sports werden die beiden Vereine in der Zeit des Nationalsozialismus wieder zusammengeschlossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entsteht als erster Nachfolgeverein der Turnerschaft der VfL Freiburg, der 1949 den alten Namen zurückerhält. 1952 treten die Fußballer erneut aus dem Gesamtverein aus und bilden den heute bestehenden SC Freiburg.
Der Verein trägt seine Heimspiele seit 1954 im Schwarzwaldstadion (24.000 Plätze) aus. Es ist seit 1970 insgesamt fünfmal (zuletzt 2004) umgebaut und mehrfach umbenannt worden. Die Tage der Arena an der Dreisam sind jedoch gezählt. Am 1. Februar 2015 stimmen die Bürger von Freiburg in einem Entscheid mit 58,2 Prozent für den Stadionneubau im Wolfswinkel im Stadtteil Brühl. Im November 2018 beginnen die Bauarbeiten für die neue Heimstatt mit dem Arbeitstitel „SC-Stadion“. Es ist für maximal 34.700 Zuschauer ausgelegt.

Good to Know
Was wenige wissen
„Studenten-Truppe“, „Breisgau-Brasilianer“, „Finkes bunte Vögel“ – das sind nur einige bekannte Spitznamen des SC Freiburg aus der Ägide von Trainer Volker Finke. Die Breisgauer, bei denen u. a. Uwe Spies und Andreas Zeyer an der Universität eingeschrieben sind, werden schon vor dem Anpfiff ihres allerersten Bundesliga-Spiels am 7. August 1993 beim FC Bayern München (1:3) als „der etwas andere Verein“ wahrgenommen. Auch das Publikum in der Universitätsstadt im äußersten Südwesten Deutschlands ist anders als in den „etablierten“ Standorten. Es sind Studenten, Grüne, Intellektuelle, Winzer, Arbeiter und – auch das ist Anfang der 1990-er Jahre noch neu – viele Frauen, die zu den Spielen im idyllisch gelegenen Schwarzwaldstadion direkt an der Dreisam pilgern. Das „schöne Spiel“ ist ihnen mitunter wichtiger als drei Punkte. Die Verbissenheit, die in anderen Stadien zu spüren ist, gibt es hier nicht ganz so ausgeprägt. „In Freiburg“, sagt der 1991 von Berlin in seine Heimat zurückgekehrte Kabarettist Matthias Deutschmann 2014 in einer Dokumentation des SWR, „ist Fußball keine Ersatzreligion wie auf Schalke, sondern allenfalls eine Weltanschauung zum Wochenende, wir haben nicht diese Härten, wie sie in Berlin, in Gelsenkirchen oder in Dortmund auftreten.“ Ein anderer, ein „linker Fußball“ also für die Bundesliga? Innovativ spielen die „Breisgau-Brasilianer“ in jedem Fall. Mit ihrem unter Trainer Volker Finke gepflegten Kurzpass-Spiel sind sie ihrer Zeit voraus. „Wir waren die ersten, die das so in Deutschland praktiziert haben“, räumt Volker Finke Jahre später ein, „und ich erinnere mich an ein Interview eines Spielers von Bayern München, der nach dem Spiel gegen uns sagte: Ich hatte immer das Gefühl, als hätten die einen Mann mehr auf dem Feld.“ Dass die Spieler mit dem Fahrrad zum Training kommen oder dass man, statt zu fliegen, mit dem ICE zu Auswärtsspielen fährt, kommt bei den Medien, den Intellektuellen und dem „linken Spektrum“ gut an.
Was wenige wissen: Selbst der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass (2015 verstorben) sitzt zuweilen im Schwarzwaldstadion auf der Tribüne. Und auch Walter Jens, der legendäre Rhetorik-Professor (1923 – 2013) ist ein Fan des Vereins. „Freiburg“, so sinniert er, „ist die einzige Mannschaft für mich, die Witz und Esprit hat und nicht über den dumpfen Ernst muskelbepackter Kicker verfügt.“ Der Pfälzer Fußball-Autor Günter Rohrbacher-List dazu zu Ligalive.net: „Von außen gesehen ist aus meiner Sicht der SC Freiburg sehr viel mehr Kultklub als beispielsweise Mainz 05. Das liegt auch an den Freiburger Verhältnissen, wo jahrzehntelang der FFC (Freiburger FC) die erste Geige spielte.“
Kaum bekannt ist: Fast wäre der SC Freiburg niemals in die Bundesliga aufgestiegen. Warum? Weil es ihn um ein Haar nicht mehr gegeben hätte. Zwischen 1978 und 1982 verfügt die Universitätsstadt Freiburg über einen echten Luxus: zwei Klubs in der 2. Bundesliga. Nur: Keiner merkt es so richtig. Es sind der Neuling SC Freiburg und der etablierte Freiburger FC, Deutscher Meister von 1907, die die Zuschauer aber nicht locken können. „Zwei Zweitligisten sind für die Stadt einer zu viel“, meint SWR-Kommentator Hans-Reinhard Scheu. Der FFC steckt nach dem plötzlichen Tod von Mäzen Rolf Jankovsky in finanziellen Schwierigkeiten. Die Lizenz für die 2. Liga erhält man 1980/81 nur noch unter strengen Auflagen. In dieser Phase entsteht der Gedanke, den Standort Freiburg durch die Fusion beider Klubs zu stärken. Doch Fusion? Nein Danke. Das lehnt SC-Boss Achim Stocker trotz einiger hartnäckiger Verhandlungen mit der FFC-Gegenseite ab. „Sein“ Sport-Club müsste beinahe die komplette Identität aufgeben, sogar die Namensrechte dem Stadtrivalen überlassen. Daraus wird nichts. Schon 1982 muss der Freiburger FC im Gegensatz zum SC aus der 2. Liga absteigen. Nach langem Auf und Ab landet der Verein 2009 in der siebtklassigen Landesliga Südbaden, Staffel II. Im Januar 2001 erwirbt der SC das Stadion des FFC, das Möslestadion, um dort die Freiburger Fußballschule zur Nachwuchsförderung einzurichten.
Keine Legende, sondern schlicht wahr aber ziemlich unbekannt ist: Der ehemalige Präsident des SC Freiburg und 13. DFB-Präsident Fritz Keller hat eine besondere Beziehung zu Fritz Walter. Dem Richtigen, nicht dem Ex-VfB Stürmer. Fritz Keller, Winzer aus dem Badischen, ist auf besondere Weise mit dem deutschen Fußballidol Fritz Walter (1920 – 2002) verbunden. Er ist das Patenkind des „alten Fritz“, der zusammen mit anderen Helden von Bern gern im damals von Kellers Vater betriebenem Restaurant, dem „Schwarzer Adler“ in Oberbergen am Kaiserstuhl, einkehrt. Die Krönung von Kellers Funktionärs-Laufbahn: Im September 2019 wird er Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.

Für die Hater
Peinliche Katastrophen und große Niederlagen
Die höchste Bundesliga-Niederlage des SC Freiburg: 0:7 verlieren die Breisgauer in der Saison 2011/12 beim FC Bayern München. Freiburg-Schreck Mario Gomez trägt sich auf Münchner Seite viermal in die Torschützenliste ein. Der später für Freiburg stürmende Nils Petersen erzielt das 7:0 für den FC Bayern. Im DFB-Pokal muss Freiburg am 2. März 2005 im Viertelfinale ebenfalls eine 0:7-Niederlage gegen den deutschen Rekord-Cupsieger aus München hinnehmen, dieses Mal vor heimischer Kulisse. Wieder gelingen mit Claudio Pizarro einem Bayern-Spieler vier Treffer.
Höchste Heimniederlage: Drei Mal verlieren die Freiburger in der Bundesliga und 2. Bundesliga zu Hause mit 6:0. In der Saison 2003/04 am 17. Spieltag gegen Bayern München, in der Saison 2004/05 am 16. Spieltag gegen Werder Bremen und eine Saison später am 13. Spieltag gegen denselben Gegner.
Die längste Niederlagenserie: Vom 15. bis zum 22. Spieltag verliert der SC Freiburg in der Saison 1996/97 acht Spiele in Folge.
Die meisten Niederlagen in einer Saison: 22 Niederlagen gibt es in der Saison 2004/05 in der Bundesliga.
Die längste Serie an nicht gewonnenen Spielen in einer Saison: 15 Spiele in Serie kann der SCF in der Saison 2004/05 in der Bundesliga nicht gewinnen (vom 20. bis zum 34. Spieltag)

Ebenfalls bemerkenswert peinlich: Gegen Werder Bremen verliert der SCF in der Bundesliga zwei Mal zu Hause mit 0:6 (am 4.12. 2004 und am 21.11.2009).
Das verpasste Pokalfinale: Im Jahr 2013 hat der SC Freiburg die vielleicht größte Chance auf ein nationales Finale und damit auf einen großen Titel. Im schwäbisch-badischen Duell verliert die Mannschaft von Trainer Christian Streich das Pokal-Halbfinale beim VfB Stuttgart mit 1:2. Der große Nachbar aus Stuttgart fährt nach Berlin, verliert dort aber das Endspiel gegen den FC Bayern.
Zweimal „Blech“: Die Jahre 2005 bis 2008 sind in Freiburg geprägt von Zweitliga-Tristesse. Zum ersten Mal, seit der SC 1993 in die Bundesliga gekommen ist, misslingt in dieser Phase – anders als 1998 und 2003 - der direkte Wiederaufstieg. Zweimal in Folge wird Freiburg 2006 und 2007 nur Vierter. Diese Platzierungen leiten auch das „Aus“ für Trainerlegende Volker Finke ein.
Gescheitert in Domzale: Im slowenischen Domzale muss man, um einen badischen Wort-Witz zu nutzen, nicht für den „Dom zahle“ – aber eigentlich müsste der SC Freiburg seinen mitgereisten Anhängern und den TV-Zuschauern der Live-Übertragung Schmerzensgeld für diese Leistung bei NK Domzale geben. 0:2 nach 1:0 im Freiburger Hinspiel im Europa-League-Playoff 2017, das ist eine echte Blamage!
Für die Lover
Wichtige Triumphe und große Erfolge
Der größte Erfolg: Der größte Erfolg – Stand Dezember 2019 - gelingt dem SC Freiburg in der Saison 2012/13 unter Trainer Christian Streich. Auf Rang 5 in der Bundesliga erreichen die Breisgauer bei ihrer dritten Europacup-Teilnahme nach 1995 und 2001 erstmals eine Gruppenphase in einem europäischen Wettbewerb. Mit sechs Punkten und nur einem Sieg gegen Slovan Bratislava (2:1) muss sich Freiburg am Ende des Kalenderjahres 2013 allerdings mit dem dritten Platz und dem „Aus“ in der Gruppenphase hinter den Slowaken aus Bratislava und dem späteren Sieger FC Sevilla begnügen.
UEFA-Pokal Teilnahme: Am Ende der Spielzeit 1994/95 stehen Rang drei und die erste Teilnahme am UEFA-Pokal.
Rekordsiege: Rekordsiege in der Bundesliga glücken dem SC bis Abschluss der Hinrunde 2019/20 in Heimspielen gegen Hansa Rostock (17.4.1999) und VfL Bochum (9.12.2000) – jeweils mit 5:0. Der höchste Heimsieg im bezahlten Fußball gelingt in der Saison 1991/92. Am 5. Spieltag bezwingen die Breisgauer Rot-Weiss Erfurt mit 6:0. Der höchste Auswärtssieg datiert auf die Spielzeit 1997/98. In der 2. Bundesliga gewinnt das Team am 25. Spieltag der Saison 1997/98 in Meppen mit 5:0.
Die meisten Siege in einer Saison: 27 Siege schafft der SCF in der Zweitliga-Saison 1992/93.
Die längste Sieges-Serie: In der Saison 2015/16 sieht der SC Freiburg in acht Spielen hintereinander vom 22. bis zum 29. Spieltag in der 2. Bundesliga.

Die längste Serie an nicht verlorenen Spielen: 13 Spiele ungeschlagen bleibt der SCF in der Spielzeit 2006/07 in der 2. Bundesliga vom 17. bis zum 29. Spieltag. Genauso lange ungeschlagen bleibt man vom 35. bis zum 38. Spieltag der Saison 1981/82 und vom 1. bis zum 9. Spieltag der Folgesaison.
Die legendären Siege gegen die Bayern: Die Spiele gegen den FC Bayern München stellen schon allein wegen der ewig jungen Konstellation „David gegen Goliath“ – die Großkopferten aus München gegen die Sparsamen aus Freiburg – vom Start weg ein Highlight in der Bundesliga-Geschichte des SC Freiburg dar. Die Heim-Premiere gegen die großen Bayern gewinnen die Breisgauer am 27. November 1993 sensationell mit 3:1. SC-Stürmer Uwe Wassmer, 1988/89 auf Schalke durchgefallen, erzielt alle drei Tore. Am 24. August 1994 versetzt Freiburg ganz Fußball-Deutschland in Erstaunen. Mit 5:1, in Worten: Fünf zu Eins, schießen sie das Star-Ensemble von Trainer-Maestro Giovanni Trapattoni aus dem Dreisamstadion. „Wir haben die Bayern an diesem Tag, man mag es kaum aussprechen, an die Wand gespielt“, erinnert sich SC-Legende Jens Todt 2014 an diese „Sternstunde für Freiburgs Fußball“ (RAN SAT1-Fußball – Das Bundesligabuch).
„Über Freiburg lacht die Sonne… über Nürnberg die ganze Welt“: „Wenn man es realistisch einschätzt, müsste schon ein größeres Wunder geschehen, wenn man vom Klassenerhalt reden will“, sagt Volker Finke mit norddeutschem Understatement nach dem 0:1 der Freiburger gegen den Abstiegs-Konkurrenten Dynamo Dresden am 31. Spieltag der Saison 1993/94. Vier Punkte beträgt der Rückstand zum rettenden Ufer, damals bedeutet das zwei Siege. Dieses „größere Wunder“ tritt tatsächlich ein. Ein fulminantes 4:0 beim großen Nachbarn VfB Stuttgart und ein 1:0 gegen den VfB Leipzig am 33. Spieltag halten den SCF im Spiel. Dann kommt Duisburg. Mit 2:0 gewinnen die Breisgauer beim MSV und erhalten zudem Schützenhilfe aus dem Pott. Der BVB schießt sich mit 4:1 gegen Freiburgs Konkurrenten 1. FC Nürnberg in den UEFA-Cup und sorgt an der Wedau, wo 8.000 Freiburger angereist sind, für unglaubliche Jubelszenen, der Klassenerhalt ist perfekt. „Über Freiburg lacht die Sonne, über Nürnberg die ganze Welt“, entrollt ein Fan auf der Tartanbahn in Duisburg ein Transparent, das er zuvor wohl unter dem Prinzip „Papierkorb“ gebastelt hat…
Freiburg legt eine Schneeschippe drauf: In der Saison 2017/18 liefert der SC Freiburg die größte Aufholjagd seiner Liga-Geschichte. Starker Schneefall lässt die Partie beim 1. FC Köln am 10. Dezember 2017 mit reichlich Verspätung beginnen. Die Kölner scheinen besser aufgewärmt zu sein und führen zur Pause mit 3:1. Dann aber legt der SC Freiburg eine Schneeschippe drauf und gewinnt in der Nachspielzeit durch das dritte Tor des Freiburger Rekordschützen im Oberhaus, Nils Petersen, noch mit 4:3.
Most Important Persons
Diese Typen prägen den Verein
Er erfindet den SC Freiburg moderner Prägung. Wer weiß, wie die Geschichte des SC ohne das Trainer-Engagement von Volker Finke verlaufen wäre? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anders als ohne den Fußball-Querdenker aus Nienburg an der Weser, den es 1991 nach Unstimmigkeiten mit dem Pr…
2009):Der Präsident schaut Videotext. Kein anderer Präsident hat das Amt in Freiburg so geprägt wie Achim Stocker. Ein Beamter, ein Regierungsdirektor bei der Oberfinanzdirektion in Freiburg mit einer riesigen Begeisterung für den Fußball, der den Vorstandsposten 1972 übernimmt und angesichts von fi…
Der Weltmeister-Trainer aus Freiburg. Weltmeister-Karrieren beginnen nicht in Freiburg? Aber sicher doch! Joachim „Jogi“ Löw ist bis heute der am meisten eingeblendete Tribünengast in Freiburg. Als Spieler hat sich der Stürmer aus Schönau im Schwarzwald in zwei Karriereabschnitten um den SC Freiburg…
Er bringt den Freiburg-Kult auf eine neue Kultstufe. Winter 2011/12. Der SC Freiburg am Boden. Erstmals in der Bundesliga-Geschichte des Vereins wird mit Marcus Sorg ein Trainer entlassen. Seine Bilanz ist mit 13 Punkten aus 17 Spielen miserabel. Freiburg droht als Tabellenletzter mit bereits fünf Z…
Freiburgs erster Nationalspieler. Der stille Defensiv-Allrounder kommt 1991 mit seinem damaligen Coach Volker Finke vom niedersächsischen Zweitliga-Absteiger TSV Havelse nach Freiburg. Am 12. Oktober 1994, auf dem Höhepunkt der Freiburger Euphorie in der erfolgreichen Saison 1994/95, beruft Bundestr…

Personae Non Gratae
Diese Typen sind unbeliebt
Kollegial-unkollegial. Der Niederländer, der bei jedem Catweazle-Doppelgänger-Wettbewerb eine echte Siegchance hätte, verkracht sich 2013/14 in Diensten des 1. FC Nürnberg mit Christian Streich. „Das habe ich noch nie mitgemacht“, sagt Verbeek nach dem 2:3 im Abstiegsduell in Freiburg dem Pay-TV-Sen…
Flucht vor den Schulterklopfern. Es geht alles zu schnell für den technisch hoch beschlagenen Mittelfeldspieler aus Russland, der mit 19 Jahren in Diensten von Borussia Dortmund Champions-League-Sieger (1997) und im Jahr 2000 zum SC Freiburg abgeschoben wird. „Du bist das größte Talent, mit dem ich …
Ein fieser Tritt. Der Nationaltorhüter leistet sich beim Gastspiel mit Borussia Dortmund in der BVB-Meistersaison 2001/02 (5:1) einen unfassbaren Aussetzer. Er tritt beim Stand von 1:1 gegen den Freiburger Soumaila Coulibaly übel nach, als der Profi aus Mali am Boden liegt. Zur Pause verabschieden i…
Das Freiburger Publikum genießt einen guten Ruf und bis zum 12. April 2000 bleibt der unbeschädigt. Dann wirft ein 16-jähriger Schüler aus dem Elztal einen Golfball an die Schläfe von Bayern-Torwart Oliver Kahn, der blutüberströmt zusammensackt. Das Spiel wird für drei Minuten unterbrochen, der SCF …

Tragisch
Diese Personen hatten Pech
Jörg Berger:Jörg Berger ist in der DDR ein angesehener Fußballtrainer, der – so heißt es - irgendwann als Nachfolger von Georg Buschner die Nationalmannschaft übernehmen soll. Als Trainer der Nachwuchs-Auswahlmannschaft der DDR nutzt er im Jahr 1979 ein Spiel in Jugoslawien, um in den Westen zu flüchten. Dort übernimmt er im gleichen Jahr den SV Darmstadt 98 in der 2. Bundesliga - als Cheftrainer. Jörg Berger ist von 1986 – 1988 auch Trainer beim SC Freiburg. Als DDR-Flüchtling ist er der Bedrohung seines Lebens ausgesetzt, die von der Stasi im Westen organisiert wird. So überlebt er Mitte der 1980-er Jahre, während er Trainer von Hessen Kassel ist, einen Giftanschlag. Gewissheit über weitere Mordanschläge erhält er nach der Wiedervereinigung bei Durchsicht seiner Stasiakten. 2002 legt Berger als Trainer von Alemannia Aachen wegen einer Operation (Darmtumor) eine längere Pause ein. 2005 unterzieht er sich erneut einer Operation (Lebermetastasen), eine weitere Chemotherapie folgt im November 2008. Am 23. Juni 2010 erliegt Jörg Berger den Folgen seines Krebsleidens.
Marcus Sorg:Marcus Sorg ist Ende Dezember 2011 der Erste. Der erste Trainer, der vom SC Freiburg, damals Letzter in der Tabelle, in der Bundesliga entlassen wird. In Freiburg ist eine Trainerentlassung eine Art von Sensation. Der Tabellenletzte muss feststellen, dass interne Beförderungen nicht immer zum Erfolg führen. Trotzdem setzt der Verein auf die nächste interne Lösung. Sorgs Assistent übernimmt den Job. Pech für Sorg, Glück für den SC Freiburg: der Assistent ist Christian Streich.

OMG — Oh My God
Das kann doch nicht wahr sein
Misstöne in der Bundesliga-Idylle…Bei aller mystischen, malerischen Gestaltung des Gesamtkunstwerks SC Freiburg kommt der Klub nicht umhin, die berühmt-berüchtigten „Mechanismen des Geschäfts“ anzuerkennen.Ob er will oder nicht, aber: Wer verliert schon gern die Unschuld? Wenn wir schon bei den Breisgau-Philosophen sind: Für einen legendären Freiburger Spieler gilt die Weisheit „Wenn man nur weit genug reist, trifft man irgendwann sich selbst“…
Verträgt Freiburg keine Stars?Im vierten Jahr in der Bundesliga ist 1996/97 beim SC Freiburg nichts mehr so wie es mal war. Mit den beiden Ex-Münchnern Dieter Frey und Michael Sternkopf, dem früheren, von Manchester City geholten, Gladbacher Nationalspieler Michael Frontzeck und Stephan Marasek von Rapid Wien hat man erstmals „richtige“ Stars geholt. Das geht schief. „Finke hatte Pech mit seinen Neuzugängen“, bilanziert der Kicker nach Saisonende in „Finale“, „zudem schaffte er es nicht, das Potenzial aller Spieler zu bündeln. Statt wie früher die Mannschaft als höchsten Wert darzustellen, bekamen einige Spieler Sonderrechte. Diese wollten dann andere auch und so kam es zum Bruch der Philosophie.“ Dass die Bundesliga-Kuckucksuhren in Freiburg nicht anders gehen als anderswo, zeigt sich erstmals im Herbst 1996. Nach schwachem Saisonstart und nur einem Sieg aus sechs Spielen machen die Finke-Gegner mobil. Nach einem weiteren verlorenen Heimspiel muss Volker Finke unter Polizeischutz und in einem schweren Mercedes aus dem Stadion gebracht werden. Draußen fliegen die Bierbecher und die Feuerzeuge, es gibt hässliche Jagdszenen – Freiburg goes wild!
Das irrste Gerücht:Streich als Bayern-Trainer. März 2018. Ganz Deutschland sucht den neuen Bayern-Trainer. Der amtierende Coach „Don“ Jupp Heynckes will nicht mehr. Thomas Tuchel will auch nicht. Hoffenheims Julian Nagelsmann will schon gar nicht. Niko Kovac von Eintracht Frankfurt will „Stand jetzt“ noch nicht. Das heißt aber nicht, dass er gar nicht will. Oder doch? In diesen turbulenten Tagen macht plötzlich ein irres Gerücht die Runde: Christian Streich vom SC Freiburg als Bayern-Trainer! Dass die Ausflüge ins Münchner Olympiastadion zu den Heimspielen des FC Bayern für den Badener Highlights seiner Jugendzeit sind, gibt er vor jedem Spiel gegen den Rekordmeister zum Besten. Ist ja auch okay, wer erinnert sich nicht daran? Die Gerüchte, wonach er Bayern-Coach werden könnte (wenn er will…), beantwortet der Streich auf seine Weise: „Es isch ja so, dass jede Woche ein anderer als Trainer in München gehandelt wird. Zuerschd war’s der Thomas Tuchels (!), dann der Julian Nagelsmann, dann der Niko Kovac, I wär fast beleidigt gewesen, wenn bei den vielen Namen ich nicht irgendwann auch aufgetaucht wäre. Aber: Da sind genug Leute, die dort Trainer werden können. Ich bin in Freiburg Trainer, fertig.“
Das neue Stadion:Ab der Saison 2020/21 wollen die Breisgauer ihre Spiele im neuen Stadion im Wolfswinkel im Westen von Freiburg austragen. Eigentlich. Denn Stand Dezember 2019 ist nichts klar. Aus den Stadionplänen ist eine Behörden-Posse geworden, die man eigentlich eher in Berlin verorten würde als in Baden (Motto: Sie verlassen den funktionierenden Teil der Republik). Zwar bekommt der SC Freiburg nach jahrelangem Kampf im Jahr 2018 die Baugenehmigung des Regierungspräsidiums der Stadt. Doch die Freude währt nur kurz. Mehrere Anwohner legen wegen des möglichen Lärms eine Klage im Eilverfahren ein, die das Bauvorhaben stoppen soll. Das Verwaltungsgericht Freiburg lehnt dieses ab, der Verwaltungsgerichtshof (VGH) gibt den Beschwerden aber teilweise statt. Und jetzt wird es „Berlin-Style“: Der VGH fasst im Oktober 2019 einen nicht anfechtbaren Beschluss, nach dem aus Lärmschutzgründen keine Spiele an Abenden sowie an Sonntagen zwischen 13 Uhr und 15 Uhr stattfinden dürfen. Das bedeutet, dass der SCF für diese Spielansetzungen wieder ins Schwarzwald-Stadion ziehen müsste. Autsch, doch mittlerweile ist klar. Das Verwaltungsgericht hat eine falsche, weil veraltete Verordnung angewendet. Die Folge: Der Fall geht in die nächste Runde. Regierungspräsidium und Stadiongesellschaft gehen mit einer Anhörungsrüge gegen das Urteil vor. Oh My God!

Fun Facts
Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs
Der SC Freiburg ist der „etwas andere Bundesligaklub“, das wissen alle. Weniger bekannt sind diese Fakten über die Breisgauer.
Die „Willis“:Anfang des neuen Jahrtausends gönnt sich der SC ein halbes Dutzend Georgier. Die meisten enden auf die Silbe – willi, wie Lewan Kobiashwili oder Alexander Iashwili. Die Fans machen sich einen Spaß daraus und hängen auch an die anderen Namen sowie an den Namen des Trainers bei der Namensdurchsage ein „Willi“. Speziell wird es, als der Deutsche Tobias Willi zum Kader stößt und zum Willi-Willi wird.
Der Rekord-Finke:16 Dienstjahre beim SC Freiburg von 1991 bis 2007 machen Volker Finke zum Trainer-Rekordhalter des deutschen Fußballs. 2006 überholt Finke den Essener Coach Otto Rehhagel, der von 1981 bis 1995 insgesamt 14 Jahre, 2 Monate und 30 Tage für den SV Werder Bremen gearbeitet hat.
Richard Golz hält gegen sein Trauma:Freiburg, 3. Oktober 1998. Im Bundesliga-Heimspiel des SCF gegen den Hamburger SV läuft bereits die Nachspielzeit. Beim Stand von 0:0 wird ein Elfmeter für die Hamburger verhängt. Der Strafstoß wird zum entscheidenden Moment für den vom HSV nach Freiburg gewechselten Torhüter Richard Golz, damals 30. Zum Elfer tritt der Mann an, der ihn in Hamburg nach elf Profi-Jahren aus dem Tor verdrängt und aus der Hansestadt verjagt hat: Hans-Jörg Butt. „Richie“ hält den Elfmeter seines früheren Konkurrenten – und löst im Dreisamstadion einen Jubel wie nach einem Siegtreffer aus.
Die ersten (nationalen) TV-Bilder des Sport-Club stammen aus dem Jahr 1976!Das 2:8 im DFB-Pokal beim 1. FC Köln im Müngersdorfer Stadion, Freiburgs höchste Auswärts-Niederlage in diesem Wettbewerb, flimmert als erste Partie des SCF in deutsche Wohnstuben. Als Werbefilm ist das Spiel untauglich. Wolfgang Overath, Hannes Löhr, Jürgen Glowacz und Co. schießen die Breisgauer gnadenlos ab, schon zur Pause steht es 4:1.

Fan-Freundschaft:Zwischen dem idyllischen Freiburg und dem knorrigen Ruhrpott entsteht ein Band der Fußball-Fan-Freundschaft. Gelegt wird es auf dem Rasen. Borussia Dortmund hilft Freiburg am letzten Spieltag der Saison 1993/94 im Abstiegs-Fernduell gegen den 1. FC Nürnberg. Ein Jahr später wird erneut gejubelt. Freiburg sichert sich beim BVB-Erzrivalen FC Schalke 04 Platz 3 und damit den UEFA-Cup-Platz, Dortmund wird nach 32 Jahren wieder Deutscher Fußballmeister. Man feiert zusammen in der Bierstadt. Auch die „Meister-Spiele“ 1996 (3:2) und 2012 (4:0) macht der BVB gegen die Breisgauer und auch das Jubiläumsspiel „100 Jahre BVB“ am 19. Dezember 2009 steigt gegen den von Robin Dutt betreuten SC (1:0) – bei minus 20 Grad Außentemperatur!
Torjäger aus Senegal:Papiss Demba Cissé ist einer von vielen namhaften Spielern aus Afrika, die das Trikot des SC Freiburg tragen. Der Stürmer aus dem Senegal erzielt in 65 Bundesliga-Spielen 37 Tore für die Freiburger und ist damit bester afrikanischer Torschütze der Klubgeschichte vor dem Tunesier Adel Sellimi (27 Tore) und Soumaila Coulibaly aus dem Mali (17 Treffer).
2:1 gegen Lautern – Ersatzkeeper Schjönberg hält den SC nicht auf:Am vorletzten Spieltag der Saison 1999/00 braucht der SC Freiburg einen Sieg, um sich vorzeitig vor dem Abstieg zu retten. Das letzte Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern wird zur Geduldprobe. 1:0 führt der FCK durch Jörgen Pettersson, Adel Sellimi gleicht aus. Dann melden sich die beiden Lauterer Keeper Georg Koch (Rücken) und Uwe Gospodarek (Adduktoren) verletzt ab. Feldspieler Michael Schjönberg (33) muss in der 2. Halbzeit ins Tor. Das für Freiburg rettende Tor zum 2:1 von Levan Kobiashvili kann der Däne nicht verhindern, aber in der 84. Minute hält er als erster Feldspieler im Tor eines Bundesligisten einen Foulelfmeter. Alexander Iashvili verschießt den sechsten von elf Freiburger Strafstößen in der Saison. Am Ende egal: Die Breisgauer bleiben drin.
Jakub Blaszczykowski:Der Pole, einst in Diensten von Borussia Dortmund, darf jederzeit gern wieder in Freiburg auflaufen. Er vergibt die größte Torchance aller Zeiten, als er am 20.11. 2010 freistehend vor dem leeren Tor den Ball überhastet über den Kasten haut. Aber den muss man ja auch erst mal machen…
Special Moments
Der Bettelkönig von Südbaden und der linke Lehrer aus Norddeutschland
Volker Finke ist irgendwie mies gelaunt. Mit 0:1 hat der kühle Norddeutsche aus Nienburg an der Weser als Trainer des TSV Havelse am 22. September 1990 beim SC Freiburg in der 2. Bundesliga verloren. Es ist eine von 25 Saison-Pleiten der Niedersachsen in ihrer einzigen Saison im „Unterhaus“.
Finke will nach dem Spiel nur noch eins. Er will seine Ruhe haben, ab in den Mannschaftsbus und dann so schnell wie möglich die mehr als 700 Kilometer in Richtung Norden abreißen. Am Bus spricht ihn ein Mann an, der seinen Namen nicht nennen will. Er hat eine Stirnglatze und trägt eine Hornbrille. Finke denkt wohl zunächst an einen Autogrammsammler. Weit gefehlt. Der Fremde verwickelt Finke trotz der Eile in ein längeres Fachgespräch über die vorangegangenen 90 Minuten im Dreisamstadion. Irgendwann hat Finke genug. „Wenn Sie zu dem Klub hier gehören“, fährt er seinen Gegenüber an, „dann muss ich Ihnen sagen: Ihr spielt einfach keinen guten Fußball. Wir waren eigentlich besser.“ Es ist das Credo des Erfolglosen.
Etwas kann Finke in diesem historischen Moment nicht wissen. Er hat gerade mit Achim Stocker, dem bereits seit 18 Jahren amtierenden Präsidenten des SC Freiburg gesprochen und unfreiwillig eine Bewerbung als neuer Coach der Breisgauer abgegeben. Obwohl Volker Finke erst später erfährt, dass sein Gesprächspartner Achim Stocker ist, so weiß man doch um den Ruf des badischen Finanzbeamten in der Branche.
Der brave Stocker gilt als Trainer-Schleuderer vor dem Herrn. In der 2. Liga hat er 17 Übungsleiter in elf Jahren in die Wüste bzw. in die badischen Weinberge geschickt. Mit ihm ist der SC Freiburg zu einer klassischen One-Man-Show im Fußball geworden. Uli Hoeneß erinnert sich gar, dass „der Stocker sogar die Bratwürste fürs Stadion selbst gekauft hat.“ Nicht nur das. „Der Stocker“ fährt sonntags höchst selbst über die Dörfer, um Talente zu sichten. Die Scouting-Abteilung und die Freiburger Fußballschule, die den Standort im äußersten Südwesten Deutschlands heute zu „La Masia im Breisgau“ (50 Jahre Bundesliga: Die Geschichte. Die Legenden. Die Bilder) machen, sind noch lange fußballerische Fiktion. Der raue Zweitliga-Alltag in Freiburg sieht anders aus.
Der Patron streitet sich mit dem zuständigen Ordnungsamt um jeden einzelnen Parkplatz am Stadion. Er trommelt die Spielergehälter bei Freunden, Bekannten und Firmen zusammen, wirbt bei den Mitgliedern um Daueraufträge, um den Kader zu bezahlen. Diese Hartnäckigkeit bringt ihm den Spitznamen „Bettelkönig von Südbaden“ ein. Als es einmal finanziell so richtig eng wird, nimmt er sogar eine Hypothek auf das eigene Häusle auf, um dem Verein auszuhelfen.
Finke wird zum Glücksgriff für Freiburg und Stocker. „Wir haben nur ein einziges Mal ein Vertragswerk aufgesetzt und haben das die ganzen Jahre, in denen wir zusammengearbeitet haben, per Handschlag gemacht“, verrät Finke später. Vertrauen, das sich auszahlt. Volker Finke führt den SC Freiburg 1993 in die Bundesliga. Dauerkarten fürs Dreisamstadion werden in der Uni-Stadt zur Zweitwährung, Finke und Stocker werden zu einem Erfolgsgespann der Liga. Ihre Bilanz ist unglaublich: Platz 3 in der Saison 1994/95, zweimal UEFA-Pokal. Auch Rückschläge wie die Abstiege 1997, 2002 und 2005 steckt dieses so ungleiche Duo weg.
Ein badischer Finanzbeamter und ein „linker“ Lehrer, das ist der Stoff, den das Feuilleton in der Bundesliga gebraucht hat! „Wir haben uns in Sachen Fußball in vielen Punkten oft gerieben“, beschreibt Volker Finke 2014 das Verhältnis zu seinem Präsidenten, „aber in ganz, ganz entscheidenden Punkten wussten wir, dass wir uns aufeinander verlassen konnten.“ Das können sie. Ende 1993, auf dem ersten Höhepunkt der SCF-Euphorie, gewinnt Freiburg mit 4:1 gegen den Krösus Borussia Dortmund und Finke entfährt beim Blick auf das Gesamt-Kunstwerk ein spontanes „Hey, es ist so geil, was wir machen!“
Stocker gibt seinem neuen Coach von Anfang an freie Hand. „Ich sage Ihnen: Mir gefällt das, wie Sie das machen“, so sein „Persil-Schein“, „und machen Sie es so, wie Sie es wollen, ich stärke Ihnen den Rücken.“ Das tut er, bis es nicht mehr anders geht. Im Oktober 2006 steht der SC Freiburg in der 2. Bundesliga auf einem Abstiegsplatz. Die Opposition gegen Finke – im Verein und in der Stadt – macht mobil gegen den Querdenker, dem sie eigentlich ein Denkmal bauen müssten. In Freiburg spielen sich nie gekannte Tribünen-Pöbeleien gegen Mannschaft und Trainer ab. Stocker muss handeln. Er trifft die vielleicht schwerste Entscheidung seiner Karriere: Finke muss am Saisonende 2006/07 gehen. Nach toller Rückrunde mit nur zwei Niederlagen verpasst er auf Rang 4 knapp die Bundesliga-Rückkehr.

Finke hält nach dem letzten Spiel gegen die TuS Koblenz (2:0) mitten auf dem Rasen eine 30-minütige Abschiedsrede. „Der Vorstand hat uns in unserer Arbeit 14 Jahre lang den Rücken freigehalten“, sagt er. Will heißen: In den letzten zwei Jahren eben nicht mehr. „Es gab Dinge, die in den letzten zwei Jahren nicht angenehm waren“, räumt Finke Jahre später ein, „aber wenn man die Lösung so findet, dass man ein halbes Jahr vorher sagt, am Ende der Saison beenden wir die Zusammenarbeit, da kann ich nur sagen: Besser kann es nicht sein.“
Finke mahnt den SC Freiburg: „Dieser Standort tut gut daran, an dieser Philosophie festzuhalten. Wenn wir anderen was nachmachen, haben wir keine Chance.“ Stocker hört es am Spielfeldrand. Mit Tränen in den Augen. Und erinnert sich vielleicht an den Special Moment vor dem Mannschaftsbus des TSV Havelse am 22.09.1990.
Weise Worte
Zitate für die Ewigkeit
Memes und weise Worte
``Dem Chiellini sei Schwester, die hätt g'sagt, ich hätte es so gerne gehabt, wenn Bonucci geblieben wäre. Aber der Gott des Geldes isch stärker g'wesen. Der Gott des Geldes !" Christian Streich zum Thema Transfers„Der eine holt Kraft aus dem Gebet, der andere aus der Badewanne. Aber wenn der Trainer - könnt' ja sein, weil er religiös ist - einen zwingen würde: Geh zum Beten, obwohl der Spieler partout nicht in die Kirch' gehe will, dann kann der danach ja nicht gut kicken!"
Christian Streich„Ich werde immer älter, immer dümmer und damit immer geeigneter für den Staatsdienst." Achim Stocker als Präsident vom SC Freiburg,
er war auch Oberfinanzdirektor„Gottes dümmste Gabe ist der Schwabe." Fan(s) vom SC Freiburg
bei einem Spiel gegen den VfB Stuttgart„Vor lauter Philosophieren über Schopenhauer kommen wir gar nicht mehr zum Trainieren." Richard Golz als Torwart vom SC Freiburg
auf die Frage, was beim sogenannten Studentenklub "SC Freiburg" anders sei